Effizienz- und Qualitätssteigerung durch Fusion innerhalb von Genossenschaftsgruppen

in Matthias Oertle/ Stefan Breitenstein/ Matthias Wolf/ Hans-Jakob Diem (Hrsg.), M & A, Recht und Wirtschaft in der Praxis, Liber Amicorum für Rudolf Tschäni, Zürich/St. Gallen (Dike) 2010, 339-358 (Franco Taisch und Ingrid D’Incà-Keller). ISBN: 978-3-03751-265-4

Gruppeninterne Fusionen sind ein wichtiges Instrument für Genossenschaftsgruppen, um ein sinnvolles Zusammenwirken von ökonomischer Effizienz und wirtschaftlicher Solidarität aktiv zu steuern und damit zentral für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. So können Genossenschaftsgruppen im Vergleich zu gruppenexternen Fusionsprozessen mit geringeren Umsetzungshürden Skalen- und Konsolidierungseffekte erreichen, das strategische Risikoprofil durch Kombination von Geschäftsansätzen und Portfolioeffekte verbessern und kritische Unternehmensfunktionen professionalisieren. Mit der erleichterten Fusion steht den Genossenschaftsgruppen mit der für sie typischen offenen Unternehmensstruktur bereits heute ein effizientes und effektives Verfahren zur Verfügung, um diese Ziele schnell und mit tiefen Transaktionskosten mindestens teilweise zu erreichen. Der heutige fusionsgesetzliche Ansatz der Eigentümerschaftskongruenz erlaubt de lege lata jedoch keine erleichterten gruppeninternen Fusionen bei der Konstellation rein genossenschaftlicher Strukturen leitender bzw. angeschlossener Unternehmen. Das greift zu kurz. Offensichtlich besteht ein wirtschaftliches Bedürfnis gruppeninterner Fusionen gerade auch hinsichtlich solcher rein genossenschaftlicher Strukturen.

Hier besteht Handlungsbedarf. Es sind Überlegungen de lege ferenda gefordert, um durch entsprechende Erleichterungen die notwendigen Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen sachgerecht zu erzielen und damit das bemerkenswerte Potential von Genossenschaftsgruppen zugunsten des Wirtschaftsstandortes Schweiz zu fördern. Als zur  Eigentümerschaftskongruenz alternativer Ansatz könnte die einheitliche Leitung dienen. So sind strategische Entscheide bei Genossenschaftsgruppen durchwegs zentraler Teil einer einheitlichen Leitung. Gruppeninterne Fusionen sind strategische Entscheide. Die angeschlossenen Genossenschaften leiten gemeinsam als Mitglieder das leitende Unter-nehmen und unterliegen gleichzeitig seiner einheitlichen Leitung. Es ist zwar keine Eigentümerschaftskongruenz gegeben, dafür besteht eine Kongruenz in der Entscheidungsfindung für Themen die unter der einheitlichen Leitung stehen.

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