Warum macht es Sinn, eine Gesundheitsdatenbank als Genossenschaft zu organisieren?

In Zusammenarbeit mit dem Verein “Daten und Gesundheit”

 

Über das Geschäftsmodell einer Health Databank

Gesundheitsdaten sind persönlich und delikat. Will ich meine Daten dem Staat übergeben? Eher nicht! Ich würde zum völlig transparenten Bürger mutieren und der Staat könnte die Informationen über meinen Gesundheitszustand für seine eigenen Zwecke ge- und missbrauchen. Ebenso habe ich Bedenken, sollte meine Versicherung oder die Pharmaindustrie über meine Daten verfügen. Dieser Teil der Privatwirtschaft könnte mit meinen Daten erhebliche Gewinne erwirtschaften, an denen ich nicht partizipiere – oder diese gar diskriminierend gegen mich verwenden. Darum will ich selber bestimmen, was mit meinen Daten passiert, wo ich sie sicher aufbewahre und wer Zugriff auf sie hat.

Es bedeutete ein riesiger Aufwand, alle meine Gesundheitsdaten vom Hausarzt und den Spitälern zu sammeln und auf meinem eigenen PC abzuspeichern. Also vertraue ich meine Daten der Health Databank an, die mir diese Arbeit abnimmt. Wie alle anderen Mitglieder habe ich dort eine Stimme, mit der ich demokratisch abstimmen kann. Vielleicht werden im Plenum Entscheidungen getroffen, die mir nicht entsprechen. Ausgleich bringen Schutzmechanismen, die für zentrale Entscheidungen qualifizierte Mehrheiten verlangen, welche die Einberufung einer Mitgliederversammlung gegen den Willen des Verwaltungsrates ermöglichen und die durch die Wahl von Delegierten (bei grosser Mitgliederzahl) den Dialog mit dem Verwaltungsrat stärken.

Wenn ich will, kann ich meine Daten bei der Health Databank für mich arbeiten lassen. Das Prinzip ist ähnlich dem des Zinswesens der Finanzbanken. Falls ich zufrieden bin, wenn meine Daten einen Nutzen für die Allgemeinheit bringen, stellt die Health Databank die freigegebenen Daten gratis einer Universität zur Verfügung. Falls ich aber z.B. meine Krebsdaten erwarte, dass sie einen finanziellen Ertrag abwerfen, stellt die Health Databank die betreffenden Daten wiederum zusammen und bietet sie der Pharmaindustrie an. Wenn beispielsweise Novartis die Daten kauft, werde ich über meine Health Databank an diesem Verdienst teilhaben.

Der Kern einer Genossenschaft

Eine Genossenschaft ist weder besser noch schlechter als andere Gesellschaftsformen, aber nicht für jedes Unternehmen eignet sie sich gleichermassen als Plattform. Am Anfang eines genossenschaftlich organisierten Unternehmens steht meistens die Grundhaltung: Wir machen es selber! Dieses Ur-Entrepreneurship entsteht aus einem Bedürfnis, dem weder der Staat noch andere Akteure in der Privatwirtschaft, sondern man selbst begegnen will.

In einer Genossenschaft profitieren alle relevanten Stakeholder. Den Mitgliedern wird das Produkt, welche das Unternehmen herstellt, zu günstigen Konditionen verkauft – oder überhaupt verkauft, weil es niemand anders herstellt. Die Arbeitnehmer werden mit guten Arbeitsplätzen und fairer Entlöhnung direkt über die Produktion entlöhnt.

Unabhängig davon, was ein Mitglied in das Unternehmen investiert hat, und welche Funktion es übernimmt – es verfügt über genau eine Stimme. Bei Entscheidungen sind alle Anspruchsgruppen vertreten. Das macht die Beschlüsse nachhaltig. In einer Genossenschaft kann nicht befohlen, sondern muss überzeugt werden. Die Mitglieder können gewisse Fragen und Aufgaben an den Verwaltungsrat oder die Geschäftsleitung übergeben. So kann auch eine demokratische Unternehmensstruktur rasch handeln.

Was das Genossenschaftsunternehmen verdient, wird sie primär reinvestieren, um sich selber finanzieren zu können. Nur was dann noch übrigbleibt, wird den Mitgliedern ausgezahlt. Wenn etwas passiert, verfügt die Genossenschaft auf diese Weise über ein solides finanzielles Polster und kann Krisen überstehen.

Ein Mitarbeiter einer Genossenschaft ist typischerweise gleichzeitig dessen Kunde und Mitglied. Wenn das Unternehmen darum bemüht ist, bei den involvierten Personen die Bedürfnisse und Ideen direkt abzuholen, entsteht ein idealer Innovationsmotor. Den zu nutzen, verleiht dieser Gesellschaftsform eine enorme Vorwärtskraft und Zukunftspotential.

Die Health Databank passt zur DNA der Genossenschaft

Finanzieller Nutzen alleine reicht den Leuten heute nicht mehr. Die Bürger wollen in einem Unternehmen mitbestimmen und mitgestalten. Das Genossenschaftsmodell passt zur heutigen Wertediskussion und zu den heutigen Erwartungen an die Wirtschaft – es ist höchst aktuell.

Gesundheitsdaten sind persönlich und delikat. Eine genossenschaftlich organisierte Health Databank sorgt für deren langfristige und sichere Aufbewahrung und Nutzung. Die Mitglieder entscheiden selber, was mit ihren Daten passieren soll. Bei der Gegenüberstellung vom Health Databank-Geschäftsmodell und den Merkmalen der besprochenen Gesellschaftsform wird klar: Es macht Sinn, eine Gesundheitsdatenbank als Genossenschaft zu organisieren.

 

 

Aufgezeichnet von Rebecca Knoth, August 2013

 

Verein Daten und Gesundheit, Medienkontakt:

Mathis Brauchbar: 079 407 9362

contact@datenundgesundheit.ch

Leave a Reply