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Introduction

Ihr Ansprechpartner: Alexander Jungmeister

Genossenschaftsunternehmen sind typisch personenbezogene Unternehmen und haben bereits heute grosse volkswirtschaftliche Bedeutung und im Rahmen der geführten Wertediskussion unternehmerischen Handelns hohes Potential.

Forschung

Am 1. Januar 2011 nahm das universitäre Kompetenzzentrum für netzwerkartige und kooperative Unternehmen am Institut für Unternehmensrecht den operationellen Betrieb auf. Das Kompetenzzentrum setzt die Zielsetzungen und das Konzept des Instituts für Unternehmensrecht im Bereich der Genossenschaftsunternehmen um. Langfristig soll an der Schnittstelle zwischen Recht, Ökonomie und Technologie ein international führendes Kompetenzzentrum für Genossenschaftsunternehmen entstehen, das die interdisziplinäre Themenführerschaft bezüglich Genossenschaftsunternehmen in Forschung, Lehre und Praxistransfer anstrebt.

Das Kompetenzzentrum schafft durch interdisziplinäre Forschung, Aus- und Weiterbildung, Dienstleistungen, Mitgestaltung im Gesetzgebungsprozess sowie Öffentlichkeits- und Stakeholderarbeit nachhaltige Werte. Das CC Netzwerkartige und kooperative Unternehmen ist ein bedeutender strategischer Partner der IG Genossenschaftsunternehmen («IGG»). Die IGG bündelt ihre Aktivitäten durch das CC Genossenschaftsunternehmen als operationelle Plattform. Das CC Genossenschaftsunternehmen stellt die wissenschaftliche Qualität sowie die Praxisrelevanz der Ergebnisse im Berichtsjahr sicher. Das Kompetenzzentrum widmet sich in den kommenden Jahren schwerpunktmässig den folgenden strategischen Themen:

  • Handlungsfelder betreffend rechtlich-regulatorischer Rahmenbedingungen für Genossenschaftsunternehmen
  • Strukturen von Genossenschaftsbanken und ihre Herausforderungen
  • Eigenkapitalbeschaffung von Genossenschaftsunternehmen
  • Genossenschaftliche DNA als Basis für Differenzierungsstrategien
  • Strategieentwicklung von Genossenschaftsunternehmen im Hinblick auf den ICA Blueprint des Internationalen Genossenschaftsbundes
  • Wahrnehmungsräume von Genossenschaften

research

Forschungsprojekte im Detail

“Der ICA Blueprint – Eine Strategie zur Multiplikation des Genossenschaftsmodells?”

(Abgeschlossenes Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. F. Taisch unter Mitautorenschaft von Prof. (FH) Dr. A. Jungmeister und dott.ssa giur. I. D‘Inca, MLaw).

Der Internationale Genossenschaftsbund (International Co-operative Alliance, ICA), der als unabhängige und nichtstaatliche Organisation genossenschaftliche Interessen vertritt und fördert, hat im Jahr 2013 den Vereinten Nationen eine Strategie – den ICA Blueprint1 zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Genossenschaft vorgelegt.

Auf der Wirtschaftsordnungsebene, auf der Regeln und Akteure des Wirtschaftsgeschehens bestimmt werden, setzt sich der ICA Blueprint für den Ersatz der weit verbreiteten wertwachstumsgetriebenen Organisationsformen durch ein idealtypisches genossenschaftliches Unternehmensmodell ein. Dies unter der Annahme, dass genossenschaftliches Wirtschaften dazu beitragen kann, globale Probleme, wie etwa die «Verschlechterung der Umwelt und den Verbrauch von Ressourcen, einen instabilen Finanzsektor, eine wachsende Ungleichheit und Lücke
in der weltweiten Unternehmensführung sowie einen Verlust von Vertrauen in politische und wirtschaftliche Organisationen […]», zu lindern. Auf der Ebene der (nationalen) Rechtssysteme, welche für einzelne Akteure den Rechtsrahmen ihres wirtschaftlichen Handelns vorgeben, fordert der ICA Blueprint ein geeignetes «legal framework» für genossenschaftliche Formen unternehmerischen Handelns. Schliesslich gelte es, auf der Einzelunternehmens- bzw. Verbandsebene Neugründungen sowie genossenschaftliches Wachstum zu fördern, um dadurch die vom ICA Blueprint angesteuerten Ziele bis 2020 zu verwirklichen.

Der im ICA Blueprint angewendete strategische Rahmen spricht damit verschiedene Gestaltungsebenen an. Allerdings geht aus dem ICA Blueprint nicht mit der erforderlichen Klarheit hervor, auf welcher der genannten Ebenen die Strategie ansetzt. Ausgehend von der wirtschaftlichen Realität und Rechtslage der Genossenschaften am Beispiel der Schweiz, wurde in der Studie das Strategieverständnis der Blaupause anhand eines methodologischen Rasters geklärt und kritisch reflektiert. Das Ergebnis mündete in klaren Handlungsempfehlungen zur Konkretisierung des ICA Blueprints sowie den kritischen Erfolgsfaktoren für strategisches Wachstum von bestehenden Genossenschaftsunternehmen bzw. Erfolgsfaktoren für die Gründung neuer Genossenschaftsunternehmen.

Das Projekt wurde erfolgreich mit der Publikation eines Artikels in den Schriften des Marburger Kolloquiums abgeschlossen. 2015 erschien die Publikation in englischer Sprache.

“«Clicks or Bricks» – Herausforderung genossenschaftliches Beziehungsbanking”

(Abgeschlossenes Projekt unter der Leitung von Prof. (FH) Dr. A. Jungmeister unter
Mitautorschaft von Prof. Dr. F. Taisch und S. Schmid, MLaw).

Strukturwandel – von kundennahen weiten Filialnetzen hin zu gestrafften und automatisierten und aufs Nötige reduzierten und zentralisierten Filialnetzen – betrifft die Banken nicht erst seit der Finanzkrise 2008. Gemäss der Statistik der Schweizer Nationalbank hat sich der Filialbestand aller Banken von 1987 (4‘117 Filialen total) bis 2008 (2‘583 Filialen) um rd. 40% reduziert, insbesondere die 1990er Jahre brachten viele Fusionen und Schliessungen. Die in der Schweiz und in Deutschland nur lokal tätigen Genossenschaftsbanken basieren hingegen auf einem anderen Geschäftsmodell: auf traditionellen genossenschaftlichen Werten wie z. B. einer guten Kundenbeziehung, klassischem Retailbanking, nahe vor Ort beim Kunden mit vielen Filialen und ohne Bezug zum risikoreichen internationalen Investmentbanking. Ein Anachronismus gegen den Trend? Die Untersuchung versucht aufgrund verfügbarem Datenmaterial den Strukturwandel der Genossenschaftsbanken in der Schweiz und in Deutschland zu belegen, vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen zu analysieren und in Bezug auf die Auswirkungen zu reflektieren.

Die Ergebnisse zeigen den erfolgreichen Strukturwandel der Genossenschafts-banken in der Schweiz und in Deutschland vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen anhand empirischer Daten. Strategische Herausforderungen liegen u. a. in verstärkter Regulierung, neuen Mitbewerbern wie non- and near banks und technologischem Wandel. Das Genossenschaftsbanking der Zukunft erfordert vermutlich weniger, aber neu positionierte und gestaltete Filialen mit lokalem Begegnungs- und Erlebnischarakter sowie neue, vermehrt erlebnisorientiert gestaltete Bankingapplikationen auf mobilen Plattformen.

Das Projekt wurde erfolgreich mit der Publikation eines Artikels (Clicks or Bricks? – Herausforderung genossenschaftliches Beziehungsbanking. Gedanken um Strukturwandel von Genossenschaftsbanken anhand empirischer Daten aus der Schweiz, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen, Band 65, Heft 1/2015 (S. 23 – 40), Stuttgart 2014 (Taisch/Jungmeister/Schmid)) abgeschlossen.

“Berner Kommentar zum Genossenschaftsrecht”

(Laufendes Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. F. Taisch).

Ausgangslage
In Gesellschaft und Wirtschaft ist ein Wertewandel hinsichtlich der Art und Weise wirtschaftlichen Handelns und der unternehmerischen Tätigkeit feststellbar. Die reine eindimensionale Gewinnmaximierung gilt nicht mehr als das Mass aller Dinge. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Genossenschaft als echte Alternative zur Aktiengesellschaft weltweit an Bedeutung. Trotz des steigenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ansehens genossenschaftlich strukturierter Unternehmen sowie der in den letzten Jahrzehnten stattfindenden Evolution des Genossenschafts-wesens in der Rechtspraxis fehlt eine umfassende wissenschaftliche Abhandlung zum schweizerischen Genossenschaftsrecht. Diese Lücke soll im Rahmen einer umfassenden Kommentierung der einschlägigen obligationenrechtlichen Bestimmungen (Art. 828–926 OR) im renommierten Berner Kommentar geschlossen werden. Der Berner Kommentar wurde bereits im Jahr 1909 gegründet und hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der umfassendsten und wichtigsten Werke der schweizerischen juristischen Literatur entwickelt.

Das vom SNF unterstützte Projekt «Grundlagenstudie zum Recht der Genossenschaften und der Genossenschaftsverbände gemäss OR – umfassende Kommentierung der gesetzlichen Bestimmungen (Art. 828–926 OR) im Berner Kommentar unter Einschluss eines systematisch-analytischen allgemeinen Teils» wurde im Oktober 2011 gestartet. Neben der Schaffung eines wissenschaftlichen Mehrwerts und der Schliessung der bestehenden wissenschaftlichen Lücken im Genossenschaftsrecht fördert das Projekt eine Doktorandenstelle. Frau dott.ssa giur. Ingrid D’Incà-Keller, MLaw, wissenschaftliche Assistentin, wird im Rahmen ihrer Dissertation «Mezzanine Finanzierung von Genossenschaften» die genossenschaftlichen Finanzierungsoptionen identifizieren und situationsbezogen bewerten. Dabei werden insbesondere Zulässigkeit und Grenzen der mezzaninen Finanzierungsinstrumente für Genossenschaften geprüft. Zum Forschungsteam gehören zudem auch die Hilfsassistentinnen Aimi Thi und Irena Kostovic.

Methode

Dem gesamten Forschungsprojekt liegt ein interdisziplinärer Ansatz zu Grunde: Ausgehend und basierend auf den Stammdisziplinen Rechtswissenschaften und Rechtsvergleichung wird der skizzierte Forschungsgegenstand auch unter den Blickwinkeln der Nachbardisziplinen Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften untersucht. Der Austausch mit ausländischen Instituten zum Thema Genossenschaften ist gerade im UNO-Jahr der Genossenschaft 2012 besonders intensiv gewesen. Erste Konzepte zur Rechtsvergleichung konnten dank dem wissenschaftlichen Austausch am Berliner, Nürnberger und Wiener Genossenschaftskongress erstellt werden.

Stand

Während der Berichtjahre 2011 und 2012 widmete sich das Forschungsprojekt primär dem schweizerischen Genossenschafts- und Genossenschaftsverbandsrecht. Die gesamte seit 1880 existierende schweizerische Literatur wurde zunächst gesammelt und durch die bestehende schweizerische Rechtsprechung zum Genossenschaftswesen vervollständigt. Diese Quellen wurden gesichtet und die relevanten Angaben zur Literatur und Rechtsprechung zum Genossenschafts- und Genossenschaftsverbandsrecht auf einer Arbeitsdatenbank gespeichert. Im Ergebnis liegen Literaturnachweise von ungefähr 900 Veröffentlichungen bis zum Jahr 2012 vor. Die anschliessend durchgeführte Analyse der gesammelten und gesichteten Quellen bestätigte die Annahme, dass die bestehende Basisliteratur nicht aktuell ist oder auch dort, wo relativ neue Abhandlungen existieren, nur punktuelle Aspekte zum Genossenschaftsrecht aufgreift.

Der erste Schritt, um diese Lücke im Rahmen einer umfassenden Kommentierung der einschlägigen obligationenrechtlichen Bestimmungen (Art. 828 – 926 OR) im renommierten Berner Kommentar zu schliessen, stellte einerseits die vertiefte Analyse der bestehenden Kommentierung zum Genossenschaftsrecht, andererseits die Entwicklung eines methodischen Ansatzes sowie das Verfassen einer Disposition zum ersten von drei geplanten Bänden, dem Systematischen Teil einschliesslich einer Kommentierung der Artikel 828 – 829 OR, dar. Entsprechend wurde ein detaillierter Projektplan für den ersten Band des Berner Kommentars zum Genossenschaftsrecht erarbeitet. Die Überarbeitungs- und Aktualisierungsarbeiten zu Band 1 sowie die damit verbundenen Workshops wurden entsprechend vorangetrieben.

Eine intensive Grundlagenforschung, welche der eigentlichen Überarbeitung und Aktualisierung des ersten Teils der Kommentierung dienen sollte, erwies sich als zwingend. Dabei wurden vom Projekt- und Autorenteam bestehend aus Prof. Dr. Peter Forstmoser, Prof. Dr. Franco Taisch, lic. iur. Tizian Troxler und dott.ssa giur. Ingrid D’Incà-Keller, MLaw grundlegende, aber auch weitgehend ungeklärte oder strittige rechtliche Fragen insbesondere zum Genossenschaftszweck, zur Finanzierung und zur genossenschaftlichen Mindestmitgliederzahl aufgearbeitet, entsprechende Lösungsansätze dargelegt sowie eine systematisch-analytische Darstellung der gesamten Thematik geschaffen. Die so erworbenen Kenntnisse zum Genossenschafts- und Genossenschaftsverbandsrecht sind in verschiedene Publikationen, Referate und Veranstaltungen eingeflossen.

Ein vom Bundesgericht neulich gefällter Entscheid zur Mindestmitgliederzahl bei Genossenschaften (4A_729/2011) gab zudem Anlass zu einer kritischen Besprechung (Taisch/Troxler, Mindestmitgliederzahl bei Genossenschaften, Besprechung des Urteils 4A_729/2011 des Schweizerischen Bundesgerichts vom 25. Mai, AJP 11/2012, S. 1646–1655). Der diskutierte Bundesgerichtsentscheid erweist sich im Ergebnis als angemessen. Die Begründung des Bundesgerichts überzeugt allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht nicht: Das eigentliche Kernproblem, die Pattsituation, wurde nicht näher beleuchtet, der Schlussfolgerung beim Unterschreiten der Mindestzahl von sieben Mitgliedern stünden nur das Ansetzen einer Nachfrist oder die Auflösung der Genossenschaft zur Verfügung, erscheint verfehlt und der Entscheid enthält bezüglich der gemeinsamen Selbsthilfe ein unnötiges obiter dictum mit verfehlter potentieller Sprengkraft. Es bleibt zu hoffen, dass die Auflösung trotz der anders lautenden Begründung des Bundesgerichts wegen der Pattsituation und nicht alleine wegen des Unterschreitens der Mindestmitgliederzahl erfolgte und dass die Registerbehörden diesen Entscheid mit Augenmass umsetzen werden.

Thematisch im Vordergrund standen schliesslich die Möglichkeiten und Grenzen der Eigenkapitalbeschaffung von Genossenschaften. Für Genossenschaften ist nur die Eigenkapitalbeschaffung durch die Thesaurierung von Gewinnen und deren Zuweisung zu den gesetzlichen oder freien Reserven sowie durch die Emission von Anteilscheinen gesetzlich explizit geregelt. In der Literatur und Rechtsprechung finden sich denn auch überwiegend nur auf diese beiden Möglichkeiten beschränkte Ausführungen zur Eigenmittelbeschaffung von Genossenschaften. Finanzierungsinstrumente sui generis werden in der genossenschaftlichen Literatur weder grundlegend untersucht, noch bilden sie Gegenstand der greifbaren Rechtsprechung. In der Lehre finden sich vereinzelt Untersuchungen zur analogen Anwendbarkeit der aktienrechtlichen Partizipations- und Genussscheine im Genossenschaftsrecht. Die Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten bei der Genossenschaft als einzige juristische Person des Obligationenrechts sind gesetzlich nicht abschliessend (enumerativ) geregelt. Es besteht in diesem Bereich vielmehr eine Gesetzeslücke, die mit auf die Besonderheiten des Genossenschaftsrechts abgestimmten Finanzierungsinstrumenten sui generis geschlossen werden kann. Zu denken ist dabei an Konstrukte, die den aktienrechtlichen Genuss- oder Partizipationsschein nachbilden, aber nicht kopieren.

Der systematische Teil des Berner Kommentars liegt mittlerweile in einer ersten Rohfassung
vor. Für 2016 ist die Publikation des ersten Bandes geplant.

«Corporate Governance für Genossenschaften»

(Abgeschlossenes Projekt unter der Leitung von Prof. (FH) Dr. A. Jungmeister, Dr. N. Fabrizio,
Co-Leitung und unter Mitautorenschaft von Prof. Dr. F. Taisch).

Das Ziel der Studie, die von den IG Genossenschaftsunternehmen in Auftrag gegeben wurde, ist es die spezifischen Anforderungen an eine moderne Corporate Governance für Genossenschaften in der Schweiz anhand von Gesetzen, bestehender Softlaw-Kodizes im In- und Ausland sowie aktueller Anliegen aus der Praxis zu formulieren. Die Studie basiert auf einem interdisziplinären und multiplen Methodenansatz. Dabei werden ökonomische, statistische, historische und rechtliche Aspekte berücksichtigt. Nach einer Bestandsaufnahme und einer Befragung von Genossenschaftsunternehmen zum Thema weist die Studie darauf hin, dass der Swiss Code of Best Practice nicht ohne Anpassungen auf Genossenschaftsunternehmen übernommen werden kann. Insbesondere sind folgende Herausforderungen proaktiv anzugehen:

  • Aussensicht (Ausgestaltung der Multistakeholder-Orientierung; ausserdem Motivation der Mitglieder zur Wahrnehmung ihrer Rechte);
  • Situative Dimension (inkl. genossenschaftliche DNA, die eine klar definierte Strategie erfordert);
  • Strategische Dimension (v.a. jeweilige Rollenverteilung zwischen den Organen, inklusive Aufgaben- Kompetenz und Verwantwortlichkeitsverteilung);
  • Integrative Dimension (Zusammensetzung Verwaltung, inkl. Nachfolgeplanung, Unabhängigkeit);
  • Kontrolldimension (Entwicklung genossenschaftsspezifischer Anreizsysteme).

Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Gruppenstrukturen in den Unternehmen, die in verschiedenen Dimensionen eine akzentuierte Bedeutung haben. Es wird gezeigt, dass Genossenschaftsunternehmen,
die sich von kleineren, im Markt weniger exponierten und/oder vernetzten Unternehmen abheben, erhöhte Corporate Governance-Anforderungen erfüllen sollten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die eigeninitiative Erarbeitung eines eigenen, am schweizerischen Recht und den Realitäten ausgerichteten Corporate Governance-Standards für Genossenschaftsunternehmen davor bewahren kann, Massstäbe vorgegeben zu bekommen. Zudem könnte er die genossenschaftliche Differenzierungsstrategie stärken.

Das Projekt hat 2014 gestartet und wurde Ende 2015 mit einem Forschungsbericht des Instituts
abgeschlossen, der 2016 veröffentlicht werden wird.

«Empirische Untersuchung zu einer genossenschafts-spezifischen Corporate Governance»

(Abgeschlossenes Projekt unter der Co-Leitung von Prof. (FH) Dr. A. Jungmeister und Prof. Dr. F. Taisch unter Mitautorschaft von K. Müller)

Empirie zur Corporate Governance in der Schweiz gibt es kaum, wenn dann anekdotisch und nicht statistisch repräsentativ für die rd. 10‘000 Genossenschaften in der Schweiz. Um herauszufinden, wie Schweizer Genossenschaften zu einem eigenen Corporate Governance-Kodex stehen und welche Themen für diese von Bedeutung sind, hat das IFU | BLI der Universität Luzern eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Dieses Projekt reflektiert die Ergebnisse dieser Befragung vor dem Hintergrund eines noch wenig entwickelten Bewusstseins für Corporate Governance bei Schweizer Genossenschaftsunternehmen.

Der Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance der economiesuisse richtet sich primär an schweizerische Publikumsgesellschaften in der Rechtsform der Aktiengesellschaft. Jedoch können ihm auch für «nicht kotierte, volkswirtschaftlich bedeutende Gesellschaften oder Organisationen (inkl. solche in anderer Rechtsform als der Aktiengesellschaft) […] zweckmässige Leitideen» entnommen werden. Genossenschaften haben viele spezifische Eigenheiten. Sie haben keine am Kapital gemessenen Aktionäre, sondern Genossenschafter mit
je einer Stimme pro Person, ein, neben den Genossenschaftern, auf verschiedene Anspruchsgruppen ausgerichtetes Geschäftsmodell, kein Mindestkapital, besondere Vorschriften zur Reservebildung und Gewinnverwendung, eine starke lokale Verankerung etc. Auf Grund dieser fundamentalen Unterschiede zur Aktiengesellschaft gestaltet sich die analoge Anwendung des Swiss Code of Best Practice schwierig. Deshalb ist es möglicherweise zielführend, eigene Grundsätze zu entwickeln, welche die spezifischen Merkmalen einer Genossenschaft berücksichtigen. Um die diesbezüglichen Anforderungen der schweizerischen Genossenschaftspraxis zu erkennen, hat das IFU | BLI der Universität Luzern eine schweizweite repräsentative Umfrage unter den inländischen Genossenschaften durchgeführt.

Die Untersuchung zeigt, dass das Bewusstsein für und die Bedeutung von Corporate Governance für Genossenschaften in der Schweiz noch entwicklungsfähig ist. Die zügige Einführung eines eigenen Corporate Governance Kodex für Schweizer Genossenschaften dürfte einerseits längere Zeit in Anspruch nehmen, andererseits wird die verstärkte Beschäftigung der Gesellschaft mit Themen guter Governance von Unternehmen nicht abnehmen, mit jedem Skandal zunehmen und die Frage nach der Governance auch von genossenschaftlich strukturierten Unternehmen, mit oder ohne genossenschaftliche Skandale, immer lauter stellen. Ein beherztes Angehen der Corporate Governance Thematik in Anbetracht dieser divergierenden Zeitschienen kann weiter gesetzlicher Regulierung und dem «Copy-Paste-Aktienrecht» Reflex entgegenwirken.

Das Projekt wurde im November mit einem Forschungsartikel für die ZfgG abgeschlossen, der Fachartikel erscheint dort 2016. Die Ergebnisse der Umfrage flossen zudem auch in die grosse Studie «Corporate Governance von Genossenschaftsunternehmen» ein.

«Fit & Proper Requirements for Members of the Board of Co-operative Banks»

(Abgeschlossenes Projekt unter der Co-Leitung von Prof. Dr. Taisch und Prof. (FH) Dr. A. Jungmeister sowie Mitautorschaft A. Gmünder, MLaw, siehe auch unter Kompetenzzentrum Unternehmens- und Governancegestaltung und Kompetenzzentrum Finanzmärkte)

In Zusammenarbeit mit der EACB (European Association of Cooperative Banks) in Brüssel wurde eine wissenschaftliche Untersuchung zu «Fit & Proper»-Regeln für Unternehmensleitungsmitglieder durchgeführt. Mitgliederbanken aus 11 Ländern wurden mittels Fragebogen in Bezug auf Best Practice hinsichtlich die Compliance mit Normen der Regulierungsbehörden und Ausbildungsstandards ihrer obersten Kader hin befragt und die Ergebnisse einer vertieften Analyse zugeführt. Die Studie beinhaltete ein für die EACB repräsentatives Sample (Sketch Verfahren), das 80% der Bilanzsumme der in der EACB repräsentierten Banken umfasst. Die EACB Banken mit 4200 lokalen Banken und 68’000 Filialen bedienen 205 Millionen Kunden und 78 Millionen Mitglieder, beschäftigen 860’000 Mitarbeitende und machen rd. 20% des Marktanteils im Europäischen Bankenmarkt aus.

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Dissertationen im Detail

“Mezzanine Finanzierung von Genossenschaften”

(Laufendes Projekt, dr.ssa giur. et MLaw I. D’Incà-Keller, Betreuer Prof. Dr. F. Taisch).
Die Umsetzung von Wachstumsstrategien sowie Restrukturierungen und Sanierungen erfordern einen hohen Grad an Selbstfinanzierung. Ohne ein erweitertes Finanzierungsinstrumentarium stösst die genossenschaftliche Finanzierung in vielen Fällen an ihre Grenzen. Die Arbeit will die Problematik erörtern und neue Wege der Kapitalbeschaffung identifizieren sowie situationsbezogen bewerten. Dabei werden insbesondere Zulässigkeit und Grenzen der mezzaninen Finanzierungsoptionen für Genossenschaften geprüft.

“Die Genossenschaftsbank in der Corporate Governance”

(Laufendes Projekt, T. Schwyter, MLaw, Betreuer Prof. Dr. F. Taisch).

Diese Arbeit geht der Frage nach, ob die Organisationsform der genossenschaftlich  organisierten Banken besonders dazu geeignet ist, den Anforderungen eines soliden, wettbewerbsorientierten sowie nachhaltigen Systems zu entsprechen. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, ob sich das Modell der Genossenschaftsbank als ein brauchbares Gefäss für eine gute Corporate Governance eignet.

Masterarbeiten im Detail

“Selbsthilfe in der Genossenschaft.”

(Laufendes Projekt, Irena Jovanovic, MLaw, Betreuer Prof. Dr. F. Taisch).

Historisch betrachtet, kam dem Prinzip der gemeinsamen Selbsthilfe eine wesentliche Bedeutung zu. Mit der Zulassung der beitragslosen Mitgliedschaft liess es das Bundesgericht in seiner Rechtsprechung allerdings inhaltslos werden. Im Laufe der Zeit fand somit eine immer weitreichendere Relativierung dieses Grundsatzes statt. Allerdings beginnt das Bundesgericht in seiner jüngeren Rechtsprechung das Selbsthilfeprinzip in seiner Bedeutung wieder aufzuwerten, was angesichts der heutigen Realität problematisch erscheint. Entsprechend befasst sich diese Arbeit mit der Feststellung, ob und aus welchen Gründen ein vermehrtes Festhalten an der ursprünglich vom Gesetzgeber vorgesehenen Bedeutung des Selbsthilfeprinzips angezeigt oder allenfalls eine liberalere Betrachtungsweise erforderlich ist.

“Die privatrechtliche Genossenschaft und die Beteiligung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts”

(Abgeschlossenes Projekt, K. Schnarwiler, MLaw, Betreuerin Prof. Dr. K. Müller, Luzern 2012).

Gegenstand der Masterarbeit ist die privatrechtliche Genossenschaft und die Beteiligung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an einer solchen. Es werden die möglichen Beteiligungsformen zusammen mit den Motiven für eine Beteiligung aufgezeigt. Ausgehend von allgemeinen Ausführungen zu diversen rechtlichen Aspekten im Zusammenhang mit einer privatrechtlichen Genossenschaft (zu deren Wesen, zur Mitgliedschaft, zu den Rechten und Pflichten der Mitglieder, zur Errichtung und Beendigung, zum Kapital und Haftungssubstrat, zur Organisation und Regelung nach Art. 926 OR) stellt die Autorin zu den einzelnen Themenbereichen Überlegungen aus Sicht einer sich beteiligenden Körperschaft des öffentlichen Rechts an.

Aus- und Weiterbildung

Die Entwicklung einer interdisziplinären Ausbildung (Betriebswirtschaft und Recht) für Verwaltungsräte und Mitglieder der Geschäftsleitung von Genossenschaftsunternehmen wurde in der Form eines Zertifikatskurses „CAS Unternehmensführung und Recht für Verwaltungsräte“ abgeschlossen.

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Publikationen, Bücher, Beiträge und wissenschaftliche Konferenzen

  • Genossenschaftliche Werte in der öffentlichen Wahrnehmung – Empirische Ergebnisse aus Österreich und der Schweiz, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen (ZfgG), ZfgG 65,4, S. 279-299, Stuttgart 2016 (Rössl/Jungmeister/Taisch)
  • Genossenschaften im Wettbewerb – bemerkenswertes Potential in der heutigen globalen Wirtschaft, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen (ZfgG), ZfgG 65,2, S. 73-74, Stuttgart 2015 (Taisch)
  • Clicks or Bricks? – Herausforderung genossenschaftliches Beziehungsbanking, Gedanken zum Strukturwandel von Genossenschaftsbanken anhand empirischer Daten aus der Schweiz, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen (ZfgG), ZfgG 65,1, S. 23-40, Stuttgart 2015 (Jungmeister/Taisch/Schmid)
  • Der ICA Blueprint – Eine Strategie zur Multiplikation des Genossenschaftsmodells? Marburger Kolloquium 2013, Marburger Schriften zur genossenschaftlichen Kooperation Bd. 115, S. 81-93, Baden-Baden 2014 (Taisch /Jungmeister /D‘Incà-Keller)
  • Die Genossenschaft als Nachfolgemodell bei Klein- und Mittelunternehmungen in der Schweiz, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen 1/2014, S. 3-18, Stuttgart 2014 (Taisch /Troxler /D‘Incà-Keller)
  • Analyse der gesellschaftsrechtlichen Handlungsfelder für Genossenschaftsunternehmen, Schlussbericht 2014, Interdisziplinäres Forschungsprojekt, Luzern 2014 (Taisch/Jungmeister /Fabrizio/D‘Incà-Keller /Schmid/Jurt/Kostovic/Thi/Ruppel)
  • Der Beitrag der genossenschaftlichen DNA als Basis für Wachstum und Differenzierungsstrategien, in: Laurinkari/Schediwy/Todev (Hrsg.), Genossenschaftswissenschaft zwischen Theorie und Geschichte: Festschrift für Prof. Dr. Johann Brazda zum 60. Geburtstag, S. 381-414, Bremen 2014 (Taisch/Jungmeister)
  • Unzulässigkeit von Beteiligungsscheinen bei Genossenschaften, in: Jusletter, S. 1-11, Bern, Juli 2014 (Forstmoser/Taisch/Troxler)
  • Erfolgreiche Schweizer Genossenschaftsbanken vor strukturellen Herausforderungen, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 4/2014, S. 712-718, Frankfurt am Main 2014, (Jungmeister/Taisch)
  • Clicks or Bricks? – Herausforderung genossenschaftliches Beziehungsbanking. Gedanken zum Strukturwandel von Genossenschaftsbanken anhand empirischer Daten aus der Schweiz, in: Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen, Band 65, Heft 1/2015 (S. 23 – 40), Stuttgart 2014 (Taisch/Jungmeister/Schmid)
  • Mitherausgeberschaft Zeitschrift für das gesamte Genossenschaftswesen ZfgG, Nürnberg (Taisch)

 Dienstleistungen

  • Beratung bei Neugründung von Genossenschaften (Karlsberg Green Energy, Karlsberg Green Energy Genossenschaftsverband, Healthbank)
  • Beratung zur strategischen Neuausrichtung von Genossenschaften (Sparcassa 1816 [Offerte], Meteotest)
  • Beratung bei Anwendung/Bewertung genossenschaftlicher Prinzipien/ICA (Raiffeisen/IRU)
  • Aufbereitung von strukturellen Daten zu Genossenschaften in der Schweiz für ausgewählte Unternehmen (Raiffeisen, Infrasys)
  • Wissenschaftliche Bewertung von Mitgliedern, Beteiligungsmanagement und Anteilsscheinmanagement für Genossenschaften (Infrasys)

Öffentlichkeitsarbeit, Medien, Politik und Gesellschaft

  • Genossenschaften in der digitalen Gesellschaft, in: cooperativ, 1/2015, S. 40-41 (Jungmeister)
  • Haben Unternehmen gelernt? Vortrag bei Rotary Club Bad Scuol-Tarasp-Vulpera, Scuol, 04.02.2015 (Taisch)
  • Stellungnahme zur Vernehmlassung zur Änderung des Obligationenrechts (Aktienrecht), 03.2015 (Taisch/Fabrizio)
  • Viel ungenütztes Potenzial, in: Raiffeisenzeitung AT, Nr. 32-33, 06.08.2015, S. 5 (Jungmeister)
  • ICOOP KOREA, Seoul, Südkorea: Einführung Genossenschaften in der Schweiz. Universität Luzern, Luzern, 26.10.2015 (Taisch/Fabrizio)
  • Mitglied Vorstand Arbeitsgemeinschaft Genossenschaftswissenschaftlicher Institute (AGI), Berlin (Taisch)
  • Mitglied Vorstand Internationales Institut für Genossenschaftsforschung im Alpenraum (IGA), Innsbruck (Taisch)
  • Vorsitzender der Governance Task Force Fit & Proper Requirements for Members of the Board of Co-operative Banks der European Association of Cooperative Banks (EACB), Brüssel (Taisch)

 

publications

Outlook

Im Jahre 2016 werden die Vorbereitung und Durchführung der Internationalen Genossenschaftskonferenz IGT 2016 unter dem Thema «Identität und Wachstum von Genossenschaftsunternehmen» zentral. Steuerungsausschuss und OK haben die Arbeit Ende 2015 bereits aufgenommen. Ebenso im Mittelpunkt wird weiterhin die intensive Forschungsarbeit stehen. Weitere Schritte in der Executive Education (Kurse für Verwaltungsräte von Genossenschaften) sind geplant.

University Publications

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